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Zhao Liqun: Das chinesische Glücksfenster

Artikel eingestellt am Freitag 8 Mai 2015

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Es war einmal ein chinesischer Lotterieannahmestellen-Betreiber namens Zhao Liqun. Zhao Liqun wurde von der Glücksfee auf eine etwas ungewöhnliche Art beehrt. Vielleicht sollte man eher sagen, die Glücksfee war der Wolf im Schafspelz, denn Zhao wurde mit ihrer Hilfe zu einem der größten Lotterie-Betrüger in der kontemporären chinesischen Geschichte.

Da war dieser Tag, an dem Zhao Liqun ein sehr entscheidender Fehler in einer chinesischen Lotterie auffiel. Oder der Tag, an dem die Glücksfee ihm vermittelte, dass da doch wohl etewas zu machen war, sodass der bisher vom Glück nicht allzu verwöhnte Zhao auch einmal an der großen Ziehung teilhaben könnte?

Die entscheidenden Minuten

Die Lücke, die Zhao entdeckte war tatsächlich zu gut, um wahr zu sein. Es ist der Traum eines jeden Sportwetters oder Lottospielers, mit einer Affinität zum Semi-Legalen. Bei der Lotterie im allgmeinen gibt es einen Punkt wie beim Roulette, wo es heißt ‚rien ne va plus‘, alle Einsätze sind gesetzt, nichts geht mehr. Und im Idealfall, rein technisch gesehen, sollte dann auch nichts mehr gehen, denn das ist der Zeitpunkt, wo die Ergebnisse feststehen.

Es dürfte der Albtraum eines jeden Lotterie-Betreibers sein, dass der Moment, wo nichts mehr gehen sollte, technisch doch nicht so ganz realisiert wurde, und es tatsächlich noch Augenblicke nach dem Fall der Kugeln gibt, wo dann doch noch was geht. Im Fall dieser chinesischen Lotterie dauerten diese Augenblicke Minuten, ein Zeitfenster von ganzen fünf Minuten.

Nachdem Zhao Liqun diese Lücke für sich entdeckt hatte, gab es nur noch zwei Faktoren, die ihn aufhalten, oder eher, zu Fall bringen konnten.

Wenn die Gier (oder die Naivität) größer ist als der Gewinn

Ein Glücksfall wie dieser erschien ihm vielleicht so unbegreiflich groß, dass er dachte, diese Chance muss ich so gut wie möglich ausnutzen. Und genau das tat er. Gleich dreimal tippte er die bereits gezogenen Zahlen, um einen der Hauptgewinne einzukassieren. Insgesamt brachte ihm dies einen Gewinn von 3,76 Millionen Euro ein. Hätte dies allein nicht schon die Betreiber stutzig gemacht, begann auch Zhao Liqun, wie so viele vor ihm, zu viele Mitwisser einzuweihen. Er bat Freunde und Nachbarn, die Gewinner-Tickets für ihn einzulösen. In diesem Fall kam es gar nicht erst so weit, dass ihn ein Tipp einer seiner Mitwisser an die Behörden zu Fall bringen konnte.

Doch wenn mehrere Gewinnlose in Millionenhöhe im selben Ort eingelöst werden, dann braucht es tatsächlich entweder Blindheit oder eine solide Bestechungssume, welche an eine ganze Reihe von Leuten ausgezahlt werden muss, um diesen Betrug zu verschleiern. Im vorliegenden Fall trifft keine dieser beiden Optionen zu.

Das unglückliche Ende eines Lotto-Betrugs

Zhao Liqun’s Scam wurde aufgedeckt. Er war 36 Jahre alt, als ihn die chinesischen Behörden verhafteten. Das Urteil für ihn lautete auf Lebenszeit im Gefängnis. Seine Besitztümer wurden beschlagnahmt.

Wenn Zhao auch eine gesunde Summe Geldgewinne mit seinem Betrug gescheffelt hat, so steht das Urteil doch in keinem Maß zum Verbrechen. Doch die chinesischen Behörden haben ihr Urteil gefällt. Für Zhao Liqun sind leider die Würfel gefalleln, ‚rien ne va plus‘.

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